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Vom Promotionsstudent zum Leiter Innovation im Mittelstand

Interview mit Dr.-Ing. Peter Sticht

Peter Sticht; Karriereweg Promotion; Interview,; Produktiostalente

Peter Sticht arbeitet heute bei der XELLAR Technologies GmbH als Leiter Innovation und PMO. Anfangen hat er allerdings, wie so viele hier bei Produktionstalente, als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent am PtU der TU Darmstadt. Im Interview sprechen wir über seine Motivation zur Promotion, seine Erfahrungen und seinen Einstieg in die Industrie. Und am Ende gibt Peter einen wertvollen Tipp für alle Promovierenden.

Moin Peter, schön dich mal wiederzusehen. Wie gehts dir? 

Servus Oliver, freut mich auch, dass wir uns nach ca. 5 Jahren mal wieder sehen… mir geht es gut und privat sowie beruflich gibt es immer neue Bereiche in denen viel passiert.

Wir kennen uns jetzt ja bereits eine ganze Zeit, die anderen aber nicht. Magst du dich daher zu Beginn erstmal kurz vorstellen? Wer bist du? Was machst du? Und wo kommst du her? 

Geboren und aufgewachsen bin ich in und um Würzburg. Neben dem Rudern und Segeln hat sich meine Begeisterung für Technik bei mir relativ früh gezeigt und so zog es mich nach dem Zivildienst nach Darmstadt zum Maschinenbaustudium.

Unterbrochen von einem Auslandspraktikum bei ZF im Bereich des Powertrain Test Engineering war ich bis zum Ende meiner Promotion insgesamt 12 Jahre in Darmstadt. Weil Würzburg und die Umgebung so einen hohen Lebenswert hat – und natürlich auch wegen meiner Freunde, Familie und meiner Verlobten – ging es Anfang 2021 dann auch wieder zurück ins Frankenland.

Seit 2021 bin ich auch bei XELLAR, einer Maschinenbaufirma für Fertigungsanlagen mit entsprechender Umform-, Stanz- und Trenntechnik. Nach dem Einstieg im Produkt- und Projektmanagement leite ich mittlerweile die Bereiche Innovation mit der mechanischen Konstruktion und Patenten, etc. und das Projektmanagement-Office (PMO).

Dr.-Ing. Peter Sticht

Leiter Innovation und PMO bei XELLAR Technologies GmbH

Berufliche Laufbahn:

  • XELLAR Technologies GmbH, Marktheidenfeld
  • Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen (PtU), TU Darmstadt
  • Praktikum ZF Friedrichshafen AG im Bereich Powertrain Test Engineering, Northville/Michigan

Ausbildung:

  • Promotion am Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen (PtU), TU Darmstadt
  • Maschinenbaustudium TU Darmstadt

Wir beide müssten uns bereits ziemlich seit den Anfängen deiner Promotionszeit kennen, das war bei der CIRP CSI in Charlotte. Was für ein gutes Beispiel für meine Netzwerktheorie, oder? Eines der wertvollsten Assets aus der Promotionszeit ist einfach das Netzwerk, oder was meinst du? 

Ich glaube sogar, dass wir uns vorher bereits bei einem DGM-Fachausschuss Oberflächentechnik kennenlernen durften – aber auch das würde die Netzwerktheorie bestätigen.

Ich hatte das Glück, dass mich mein Betreuer in der Master-Thesis am PtU sehr gut in das Netzwerk mitgenommen hat und ich auch schon zum Ende der Thesis eigene Themen präsentieren durfte. So hatte ich dann aber auch Gleich zu Beginn meiner Stelle als wissenschaflticher Mitarbeiter am PtU die Gelegenheit nach Charlotte zur CIRP-CSI zu fahren.

Als “Greenhorn” war ich damals tatsächlich überrascht, wie viele bekannte Gesichter ich dort dann getroffen habe. Tatsächlich kann ich nur bestätigen, dass die Kontakte aus der Studien- und Promotionszeit eines der wertvollsten Assets sind. Auch eine wichtige Fähigkeit, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe ist, dass man vor keiner noch so komplexen Themenstellung zurückweicht und von vornherein keine der möglichen Lösungen ausschließt. Die Fähigkeit, Herausforderungen zu strukturieren und dann ggf. auch gemeinsam im Netzwerk zu lösen macht doch fast jedes Problem in irgendeiner Weise handhabbar.

Erinnerst du dich denn manchmal noch an deine Institutszeit zurück? Sind es dann eher die guten Dinge oder die Herausforderungen, an die du dich erinnerst? 

Ich erinnere mich immernoch gerne an die Zeit zurück und viele Arbeitskollegen aus der Zeit sind über die Jahre zu sehr guten Freunden geworden, mit denen wir sogar zusammen in Urlaub fahren. Das Umfeld, wie es an einem Institut mit mehr oder weniger gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen vorliegt, habe ich seitdem so nicht wieder erlebt.

Jeder ist motiviert in seinem Thema drin, aber es gibt eben auch Zeit für gemeinsame Projekte und einen guten Austausch, mit wirklich hochwertigem Feedback. Die Herausforderungen waren dabei dann am Anfang alle “Bälle in der Luft” zu halten. Das eigene Forschungsprojekt, zusätzliche Veröffentlichungen oder Präsentationen, Industrieprojekte, Unterstützung bei Reviews und Gutachten, Gremien wie die Arbeitskreise des VDI oder des DIN zu betreuen und noch Tagungen zu organisieren… das ist nur ein kleiner Querschnitt, der sicherlich an vielen Instituten ähnlich abläuft. Die Übung darin und dabei einen kühlen Kopf zu behalten, sowie auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen strahlt vermutlich noch am meisten in das heutige Arbeitsleben aus.

Mir wurde klar, dass mit einer Promotion im Maschinenbau mir fachlich keine Grenzen mehr in den Weg gelegt werden können.

Lass uns doch aber mal vorne Anfangen. Warum hast du dich nach deinem Studium noch für die Promotion entschieden? Hattest du einen großen Plan oder bist du da eher so reingestolpert? 

Einen großen Plan hatte ich ehrlich erst in der zweiten Hälfte des Masterstudiums. Nach meiner Bachelorarbeit wurde ich von unterschiedlichen WiMis mal auf die Möglichkeit angesprochen zu promovieren. Ausschlaggebend war aus meiner Sicht aber mein Master-Praktikum bei ZF in Northville/Michigan. Dort habe ich mir Gedanken gemacht, welchen Job ich wohl mein ganzes Arbeitsleben machen könnte und mir wurde klar, dass mit einer Promotion im Maschinenbau mir fachlich keine Grenzen mehr in den Weg gelegt werden können.

Eine Stelle als Bereichs- oder Werksleiter hat mich damals am meisten beeindruckt. Die Kombination aus technischen, betriebswirtschaftlichen und “menschlichen” Themenbereichen hat mich fasziniert. Bei der Suche nach einer Aufgabenstellung für die Masterarbeit konnte ich dann am PtU direkt mit der Thesis in die Bearbeitung des Forschungsthemas starten – dem maschinellen Oberflächenhämmern.


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Da hattest du aus meiner Sicht ein cooles Thema. Wie lief die Institutszeit dann bei dir ab? 

Wie gesagt, es gab einen fließenden Übergang aus der Bearbeitung der Masterthesis in die Stelle als Doktorand. So konnte ich mich auch mit der Unterstützung der dienstälteren WiMis – wir hatten meist zweier- oder dreier-Büros – sehr schnell in die Abläufe und Organisationsstruktur eingewöhnen.

Klar, die Aufgaben wurden dann vielfältiger und es kamen schnell die ersten Betreuungen eigener Studierender mit Abschlussarbeiten hinzu. Am PtU waren wir in der Zeit meist ca. 35 Doktoranden. Natürlich musste man sich dann erst noch mit den Schnittstellen zur Buchhaltung, Werkstatt und Sekretariat vertraut machen. Neben dem eigenen Forschungsprojekt und der Betreuung studentischer Arbeiten war die Vorlesungsbetreuung und Unterstützung bei den Prüfungen mit Korrekturen immer ein größerer Block – eben alles, was die Uni prinzipiell am laufen hält.

Dann noch gelegentliche Reviews, Gutachten und eigene Veröffentlichungen und die Zeit vergeht wie im Flug. Ich hatte das Glück, dass meine Vorgänger im Themenbereich des maschinellen Oberflächenhämmerns schon ein super Netzwerk aufgebaut hatten. So gab es jedes Jahr einen Workshop zum MOH, der umlaufend in Darmstadt (PtU), Aachen (WZL), Karlsruhe (IAM-WK) und Wien (IFT) mit den Partnerinstituten für alle Interessierten aus Industrie und Forschung abgehalten wurde. Das gab dem Themengebiet enormen Auftrieb und zusätzlich den Vorteil, dass immer ausreichend Industriepartner für weitere Forschungsprojekte bereitstanden, die ihre Themen einbringen konnten.

Daraus ergab sich ein großes Forschungsfeld für das Oberflächenhämmern, was von der Einglättung metallischer Oberflächen hin zur Härtesteigerung und dem Einbringen von Druckeigenspannungen bis zur Mikrostrukturierung und tribologischen Optimierung von Werkzeugoberflächen reichte. In der Zusammenarbeit entstand auch eine VDI-Richtlnie und es war interessant, die Schnittstellen zwischen Industrie und Forschung hautnah zu erleben. Neben der Recherche nach Patenten für den Stand der Technik durfte ich auch an eigenen Patenten arbeiten.

Zusammenfassend bekommt man durch die Zeit am Institut damit richtig gute und wichtige Einblicke in die Abläufe der Firmen, Institute und Organisationen, die letztendlich die Wirtschaft am laufen halten. Von einer Idee können bis zur erfolgreichen Umsetzung in einem Prozess mehrere Jahre vergehen. Das zu wissen und durchzuhalten und die einzelnen Schritte zielgerichtet voranzubringen ist bestimmt eines der wichtigsten Erkenntnisse.

Was würdest du denn heute, mit ein wenig Abstand sagen, waren besondere Momente, positiv oder negativ? Ich hatte für mich einige sehr herausfordernde Momente, in denen ich aber auch irgendwie am meisten gewachsen bin. Wie war das bei dir?  

Sicherlich gab es sowohl positive, als auch herausfordernde Momente, an denen man aber in der Zeit von fünf Jahren immer wächst und sich selbst entwickelt. Rückschläge bleiben nicht aus, wenn bspw. eine studentische Arbeit abgebrochen wird und man die Aufgabenpakete wieder neu eintakten muss, oder eben die Forschungsergebnisse eine Neuausrichtung des Gesamtthemas erzwingen. Die Herausforderung war dann, am Ende die relevanten Themen in der eigenen Dissertation so zusammenzufassen, dass insgesamt der berühmte “rote Faden” erkennbar ist. Auch für interessierte, die nicht so tief im Thema stecken wie man vll. selbst. Positiv war dann aber vor allem, dass man sieht, es kommen auch noch Nachfolger, die die Themen weiter voranbringen und wiederum eigene Forschungsthemen erschließen. Man wächst an der Vielfalt der Aufgaben und weiß am Ende der Institutszeit, dass man allen Anforderungen gewachsen ist. Das “Handwerkszeug”, welches man als wissenschaftlicher Mitarbeiter erhält, ist unglaublich wertvoll.

“Definitiv würde ich meinem jüngeren Ich eine Promotion raten!”

Du hast dich ja mit einem sehr speziellen Thema beschäftigt. Würdest du sagen, dass das Fachliche aus der Promotion in deinem Job heute noch eine große spielt? 

Die Promotion ist ja der Nachweis, dass man selbstsändig in einem Fachgebiet Forschung organisieren und durchführen kann. Dabei ist man so tief in den Themen, wie es später im normalen Arbeitsalltag nicht mehr notwendig ist. Dieses “Abtauchen” in die Themen ist aber nach wie vor ein wichtiger Bestandteil meiner alltäglichen Arbeit. In der Leitung eines Bereichs mit mitarbeitenden Ingenieuren, Technikern und Auszubildenden und auch im Kontakt mit den Projektteams der Kunden muss man sich auch in die Feinheiten einarbeiten können. Neben der Koordination der Ressourcen und einem Überblick über die Gesamtsituation der Firma helfen hier die Erfahrungen aus der Promotion enorm.

Welche Fähigkeiten hast du denn in der Zeit gelernt, die dir heute im Job einen echten Vorteil bringen? 

Dadurch, dass ich mich noch weitestgehend im Bereich der Umformtechnik bewege, kann ich auf meinen fachlichen Anker immer vertrauen. Selbst, wenn man sich mal von den ursprünglichen Kernthemen wegbewegt hat man dadurch noch Kapazität frei, um auch die neuen Herausforderungen, seien es schwierige Kunden oder neue, innovative Produktideen noch kompetent zu betreuen. Mit einer gewissen Ruhe und Übersicht lassen sich viele Herausforderungen differenzierter betrachten und letztendlich gut lösen. Die Fähigkeit zur Entwicklung von Lösungen unter einer Vielzahl von Randbedingungen traue ich jedem zu, der eine Promotion durchlaufen hat. Das merkt man auch in der Projektarbeit.

Abschließend noch zwei Fragen: 
1. Würdest du deinem jüngeren Ich heute raten die Promotion zu starten? 
2. Und welchen einen wichtigen Tipp würdest du deinem jüngeren Ich mitgeben? 

Definitiv würde ich meinem jüngeren Ich eine Promotion raten! Auch, wenn der Weg vielleicht nicht der leichteste ist, lohnt es sich durchzuhalten und die Themen bis zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Der Tipp, den ich meinem jüngeren ich geben würde, habe ich seinerzeit zum Ende Deiner Promotionszeit von Dir, Lieber Oliver, erhalten: “Nimm Dir täglich eine Stunde Zeit, um gezielt an der Dissertationsschrift zu arbeiten!” Wörtlich hattest Du – glaube ich -gesagt von 6:30-7:30 Uhr am Morgen… das habe ich meist auf abends abgewandelt 😉, aber die Essenz daraus verstanden: Letztendlich geht es nicht darum, jeden Tag eine Zeile, Seite oder ein Kapitel fertigzustellen, sondern vielmehr darum, das Grundgerüst zu verfeinern und die Logik der Arbeit zu hinterfragen. Dadurch kann man selbst neue Impulse generieren und bekommt Klarheit über die Schritte, die notwendig sind um alle Themen zusammenfassen zu können.

Danke, für das coole Interview. Und vor allem für die Info, dass mein Tipp dir geholfen hat. Das Gespräch hat Spaß gemacht und vielleicht sehen wir uns ja zu einem späteren Zeitpunkt hier nochmal wieder. 

Hat mich auch sehr gefreut!

Autor: Oliver Maiß

Hallo, mein Name ist Oliver und ich bin Gründer und Initiator von Produktionstalente. Ich habe selbst 6 Jahre am IFW in Hannover promoviert und kenne daher viele Herausforderungen vor, während und nach der Promotion. Ich schaffe gerne Möglichkeiten, um Menschen miteinander zu vernetzen, weil ich davon überzeugt bin, dass wir aus jeder Begegnung etwas wertvolles für uns mitnehmen können. Und vielleicht konntest du ja jetzt auch schon etwas von mir mitnehmen.

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